7.3.2014 – Presseerklärung des internationalen NGO-Bündnisses „Völkermord verjährt nicht!“

Eklat in Windhoek: Herero und Nama boykottieren Empfang der Gebeine aus Berlin

Gegen 7 Uhr früh sind heute die in der Kolonialzeit zu rassistischen Forschungen nach Deutschland verschleppten Gebeine von 35 afrikanischen Menschen – darunter Opfer des Genozids an den Herero und Nama – in der namibischen Hauptstadt Windhoek eingetroffen. Zu 10 Uhr hatte Regierung die betroffenen Volksgruppen und ihre traditionellen Führer in den Parlamentsgarten eingeladen, wo sich ca. 300 Menschen versammelten. Die Hälfte der Stühle blieb dennoch leer.

Denn die von der deutschen Regierung nicht nach Berlin geladenen Traditional Leaders und Opferverbände der Nama und Herero, die bei der ersten Repatriierung von Gebeinen 2011 noch dabei waren und in Berlin Reparationsforderungen erhoben hatten, boykottierten den Staatsakt. Am Tag der aktuellen Übergabe ihrer Ahnen in Berlin hatten sich die Opferverbände auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Namibia mit scharfen Worten darüber beschwert, dass sie entgegen aller Absprachen nicht eingeladen worden waren. In ihrer Pressemitteilung ist von einem Komplott der Bundesregierung die Rede, die sich aus ihrer historischen Verantwortung stehlen wolle und die Opferverbände daher von der Übergabe in Berlin ausgeschlossen hätte.

Für die deutsche Seite war denn auch kein höheres Regierungsmitglied, sondern lediglich der Beauftragte des Auswärtigen Amtes für das südliche Afrika Kochanke mitgereist, der in Windhoek noch gut bekannt ist für mehrere Respektlosigkeiten gegenüber der namibischen Regierung während seiner Zeit als Botschafter vor Ort. Wie schon in der Charité vermied er jede Rede über historische Schuld und brachte entsprechend auch keine Bitte um Vergebung vor. Statt den Genozid an den Nama und Herero zu benennen, gedachte er allgemein der Opfer des „brutalen Kolonialkrieges“ von 1904-07.

Staatspräsident Pohamba, ein Ovambo, nannte den Völkermord an den Herero und Nama beim Namen, allerdings ohne sich dabei hinter die Entschädigungsforderungen stellen, welche die anwesenden traditionellen Führer der Herero vorbrachten. Einig waren sich nahezu alle traditionellen Führer in ihrer scharfen Kritik an ihrem Ausschluss von der Teilnahme in Berlin, die auch aus rituellen Gründen unerlässlich wäre.
Nach dem Staatsakt sollen die Gebeine vom Nationalmuseum betreut werden. Am 21. März, dem Nationalfeiertag der Republik Namibia, wird in Windhoek anstelle des kolonialen Reiterdenkmals zu Ehren der Völker mordenden deutschen „Schutztruppe“ ein Denkmal für die Opfer des Genozids eingeweiht.

Christian Kopp vom Bündnis „Völkermord verjährt nicht!“ sagt: „Es ist ein Skandal, dass gerade unter einem SPD-Außenminister, der noch vor zwei Jahren selbst eine Entschuldigung für den Genozid in Namibia forderte, so respektlos mit den Nachfahren der Opfer umgegangen wird. Ermutigend ist aber, dass der Widerstand gegen die anhaltende Leugnung des Genozids durch die Bundesregierung unübersehbar wächst – und zwar nicht nur in Namibia. Gerechtigkeit für die Herero und Nama ist, da bin ich sicher, nur noch eine Frage der Zeit.“

Protest-PM: http://www.africavenir.org/de/news-archiv/newsdetails/datum/2014/03/05/press-statement-by-the-nama-ovambanderu-and-ovaherero-traditional-leaders-on-the-second-return-of-s.html

Kontakt: Israel Kaunatjike (Herero) 01731035605 | Christian Kopp 01799 100976

Mail: buero@berlin-postkolonial.de

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