3.3.2014 – Presseerklärung des internationalen NGO-Bündnisses „Völkermord verjährt nicht!“

These bones are not enough!

Deutschland muss eine würdige Rückgabe von entführten Gebeinen an Namibia vornehmen und sich für den kolonialen Genozid von 1904-08 entschuldigen. Alle Gebeine kolonisierter Menschen müssen den Nachfahren zurückgegeben werden.

Anlässlich der am 5. März um 14:30 Uhr in der Charité anstehenden Rückgabe von weiteren 21 menschlichen Gebeinen, die zu rassistischen Forschungen aus der einstigen Kolonie „Deutsch-Südwestafrika“ nach Berlin verschleppt wurden, fordert das vom Zentralrat der Afrikanischen Gemeinde in Deutschland und weiteren 120 Organisationen unterstützte Bündnis „Völkermord verjährt nicht!“ die Bundesrepublik Deutschland zu einer Kehrtwende im Umgang mit den Nachfahren der Kolonisierten und zu einem klaren Zeichen gegen den anhalten Kolonialrassismus auf.

130 Jahre nach der berüchtigten Berliner Afrika-Konferenz, auf der unter den europäischen Kolonialmächten über die Aufteilung Afrikas beraten wurde, 100 Jahre nach dem Zerfall des Deutschen Kolonialreichs darf sich Deutschland der historisch-politischen Verantwortung für seine in Afrika, Asien und Ozeanien begangenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und für den ersten Genozid des 20. Jahrhunderts nicht länger entziehen.

Das Bündnis erinnert die Bundestagsmehrheit aus Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen und SPD sowie Außenminister Steinmeier an ihre im März 2012 gestellten Anträge auf eine offizielle Anerkennung und Entschuldigung für den Genozid an den Nama und Herero und fordert sie dazu auf, die bevorstehende Übergabe der Kolonialopfer zum Anlass zu nehmen, die Menschen in Namibia nun in aller Form um Vergebung zu bitten.

Der in Berlin lebende Herero Israel Kaunatjike sagt: „Es ist ein Skandal, dass die Bundesregierung aus Angst vor Protesten und berechtigten Reparationsforderungen weder die Nachfahren der Opfer des Genozids noch die breite Öffentlichkeit in die Charité eingeladen hat. Erst vor wenigen Tagen habe ich von der geplanten Übergabe erfahren und bis heute habe ich keine Zusicherung erhalten, überhaupt teilnehmen zu dürfen.“

„Wir sind uns sicher,“ ergänzt der Tansanier Mnyaka Sururu Mboro von Berlin Postkolonial, „dass in Berlins Sammlungen auch zahlreiche Gebeine und heilige Objekte tansanischer Herkunft zu finden sind – selbst wenn die Stiftung Preußischer Kulturbesitz bisher nicht zu einem diesbezüglichen Gespräch bereit war. Die Arroganz der Staatlichen Museen zu Berlin steht im krassen Widerspruch zum ICOM Code of Ethics von 2004, der die Museen sogar verpflichtet, Rückgabeverhandlungen selbst zu initiieren.“

Moctar Kamara, Vorsitzender des Zentralrats der Afrikanischen Gemeinde in Deutschland, resümiert: „2001 hat sich die Bundesrepublik in Durban vor der UN zum ‚ehrenden Andenken’ für die Opfer von Kolonialismus und Völkermord verpflichtet. Seitdem ist buchstäblich nichts geschehen, während die Würde von Menschen afrikanischer Herkunft bis heute massiv verletzt wird. Wir erwarten, dass Deutschland nun endlich die Verantwortung für seine Kolonialverbrechen übernimmt und die Nachfahren der Opfer aufrichtig um Entschuldigung bittet.“

Kontakt: n.roeschert@africavenir.org | Israel Kaunatjike 01731035605 | Mnyaka S. Mboro 01601174528 | Moctar Kamara 01721797958

Pressekonferenz: 5.3.2014, 12:30 Uhr, Seminar für Afrikawissenschaften der HU Berlin, Invalidenstraße 118, 4. Etage, Raum 410 ein (Zugang über Schlegelstraße 26 möglich)

Übergabe der Gebeine: 5.3.2014, 14:30 Uhr, Anatomie-Hörsaal der Berliner Charité, Philippstraße 12

These bones are not enough!