Pressemitteilung des Bündnisses „Völkermord verjährt nicht!“ | 23.09.2015

Genozid-Debatte im Bundestag: Deutschland muss OvaHerero und Nama um Entschuldigung bitten

Am 24.09. wird der Bundestag über Deutschlands Völkermord 1904-08 im heutigen Namibia debattieren, am 6.10. wird Bundestagspräsident Lammert das Land besuchen. Nach der Anerkennung des Genozids durch die Bundesregierung im Juli 2015 muss sich die Bundesregierung nun offiziell entschuldigen, alle geraubten menschlichen Gebeine zurückgeben und mit den Opfergruppen über Versöhnungsmaßnahmen verhandeln

Im Vorfeld der mehrtägigen Gedenkfeierlichkeiten der OvaHerero zum Jahrestag des deutschen Genozidbefehls in Namibia am 02.10.2015 wird der Bundestag am Donnerstagabend in erster Lesung die Anträge von Die LINKE und Bündnis 90/Die Grünen zum Umgang mit dem Völkermord an den OvaHerero und Nama behandeln (TOP 17). Den Oppositionsanträgen war der zivilgesellschaftliche Appell „Völkermord ist Völkermord“ vorausgegangen, der mittlerweile von mehr als 3000 Persönlichkeiten aus Deutschlands Wissenschaft, Politik und Kultur unterzeichnet wurde.

Das federführende NGO-Bündnis „Völkermord verjährt nicht!“ fordert die Bundesregierung dazu auf, die bis heute von ihrem Land vertriebenen OvaHerero und Nama um Vergebung zu bitten und endlich direkt mit den Opfergruppen über Maßnahmen, die zur Versöhnung beitragen können, zu verhandeln. Zudem müssen alle menschlichen Gebeine, die für rassistische Forschungen aus Afrika nach Deutschland verschleppt wurden, zur Bestattung durch die Nachfahren freigegeben und zurückgeführt werden.

Das NGO-Bündnis „Völkermord verjährt nicht!“ ruft außerdem dazu auf, den diesjährigen Reparation Day am 12.10. bundesweit für die kritische Thematisierung des kolonialen Genozids 1904-08 in Namibia zu nutzen. Für den Tag wird in Deutschland eine OvaHerero-Delegation erwartet, deren Mitglieder auf Veranstaltungen in Frankfurt, Hamburg und Berlin zu Gast sein werden. 

Der in Berlin lebende OvaHerero Israel Kaunatjike sagt: „Die Zeit ist reif für eine Bitte um Entschuldigung. Wir werden dann sehen, unter welchen Bedingungen wir diese Entschuldigung annehmen können. Wir bitten nicht um Entwicklungshilfe – wir fordern Entschädigung für kolonialen Raub!“    

Kontakt: Israel Kaunatjike 01731035605 | Christian Kopp 01799 100 976, buero[at]berlin-postkolonial.de

Appell „Völkermord ist Völkermord“: http://genocide-namibia.net/alliance/appellpetition/

Antrag LINKE: http://genocide-namibia.net/wp-content/uploads/2015/06/1805407.pdf

Antrag B90/Grüne: http://genocide-namibia.net/wp-content/uploads/2015/06/1805385-1.pdf

BT-TOPs am 24.9.: http://www.bundestag.de/dokumente/tagesordnungen/tagesordnung_124/277264

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23.09.2015 – Pressemitteilung „Genozid-Debatte im Bundestag“