OvaHerero und Nama kritisieren weiteren Ausschluss

In der letzten Woche nominierten sowohl die deutsche als auch die namibische Regierung Verhandlungsführer für ihre Gespräche über den Völkermord an den OvaHerero und Nama. Mit Ruprecht Polenz (CDU) wurde von Frank-Walter Steinmeier (SPD) völlig überraschend zwar ein erfahrener, aber mit Namibia kaum vertrauter Ex-Außenpolitiker des Regierungspartners benannt. Auf namibischer Seite nominierte Präsident Hage Geingob den langjährigen Botschafter Dr. Zed Ngavirue.

Bei ihrer Erklärung zum Verlauf der Regierungsgespräche, die sich jetzt bereits mehrere Jahre hinziehen, erklärte die namibische Außenministerin Netumbo Nandi-Ndaitwah: „All these interactions have brought us to a point where we are now able to formalize and further intensify the dialogue“. Auffälliger Weise verzichtete sie darauf, den Genozid, der ja inzwischen selbst von Deutschland anerkannt ist, oder seine Opfer explizit beim Namen zu nennen. So merkte die Außenministerin lediglich an: “ […] The atrocities committed in our country by Germany from 1904-07 have left a deep scar on our national psyche.“ Sie versprach erneut, dass auch die betroffenen Communities in die Vorbereitungen einbezogen werden würden.

Der Generalsekretär des Ovaherero/Ovambanderu Council for the Dialogue on the 1904 Genocide (OCD 1904), Ueriuka Tjikuua, begrüßte die Nominierung der Sonderbeauftragen, betonte aber die Dringlichkeit der Einbeziehung der betroffenen Gemeinschaften: „It is quiet important that there must be an engagement with the affected communities. One cannot decide on their interests in isolation“.

Deutlich kritischer fiel das Urteil von Ida Hoffman, Vorsitzende des Nama Genocide Technical Committee, aus. Sie betonte, dass die Ernennungen von Dr. Zed Ngavirue nur dann Sinn machen würden, wenn sie zur Einbeziehungen der betroffenen Gemeinschaften führen würde: “If the envoy has been appointed to add value to our requests then we will see he is the right person. But if he is a stumbling block between us the activists, victims and descendants of the Nama and Ovaherero people, then it will create additional problems”.

Zudem kritisierte die Nama-Aktivistin scharf, dass sie bei der nun erfolgten Ernennung von Sonderbeauftragten erneut nicht einbezogen worden wären. Sie erinnerte daran, dass es niemand anderes als die Communities selbst gewesen wären, die das Thema Völkermord auf die Agenda gesetzt hätten: “We are the drivers of this and we are left behind. All the decisions were about us, and without us and that is unhealthy.”

Hoffman drängte nicht nur darauf, die Gebeine der namibischen Vorfahren aus deutschen Privatsammlungen sowie auch die Bibel des legendären Nama-Führers Hendrick Witbooi zurückzufordern. Sie forderte vor allem, den schon viel zu lange währenden Ausschluss der Gemeinschaftsvertreter_innen vom Verhandlungstisch endlich zu beenden: “We want to know if the government has decided to recognize us – the representatives and activists of the Nama and Ovaherero descendants – as stakeholders at the round table with the German government.”

Medienberichte:

9/11/2015 | Staff Reporter, Hopes that views of genocide descendants will get prominence, New Era

8/11/2015 | Without author, Germany must pay up: Mbumba, Lela Mobile

5/11/2015 | Staff Reporter, Ngavirue appointed as special envoy on genocide, New Era

4/11/2015 | Isaac Mugabi, Polenz: ‚Germany and Namibia need a common understanding of the past‘, Deutsche Welle

4.11.2015 | Theresa Krinninger, Polenz: „Ich habe Erfahrung mit heikler Außenpolitik“, Deutsche Welle

4.11.2015 | Ohne Autor, Völkermord an Herero: Polenz soll mit Namibia verhandeln, Spiegel Online

 

 

November 2015 | Deutsche und namibische Regierungen bestimmen Verhandlungsführer