Berlin Postkolonial, NGO-Bündnis „Völkermord verjährt nicht!“

Pressemitteilung | 11.10.2016 | English version of the press release here

Herero und Nama aus aller Welt kommen in Berlin zusammen

Transnationaler Genozidkongress in Berlin. Bundesregierung verweigert offene Diskussion mit den von Kolonialverbrechen und Völkermord betroffenen Gemeinschaften

Bis Donnerstag, 13. Oktober werden in Berlin mehr als 50 Herero- und Namadelegierte aus drei Kontinenten eintreffen. Die Nachfahren der Opfer des Genozids in der ehemaligen Kolonie „Deutsch-Südwestafrika“ reisen nicht nur aus dem heutigen Namibia, sondern auch aus Südafrika, Botswana, den USA, Kanada, Großbritannien und Deutschland an. Am 14. /15. Oktober werden sie im Centre Francais, Müllerstraße 74, mit Aktivist_innen afrikanischer, Schwarzer und kolonialismuskritischer Organisationen aus Deutschland zum zivilgesellschaftlichen Kongress „Restorative Justice after Genocide“ zusammenkommen.

Anlass des Genozidkongresses ist der weltweite Tag für Reparationen am 12. Oktober („Kolumbustag“). Der Solidaritätskongress findet im Rahmen der UN Decade for People of African Descent statt. Er soll den intensiven und offenen Dialog zwischen den Nachfahren Kolonisierter und Kolonisierender sowie die Vernetzung der zivilgesellschaftlichen Initiativen ermöglichen.

Der Kongress wird von weiteren gemeinsamen Veranstaltungen begleitet. So soll am 12. Oktober um 18:30 Uhr eine symbolische Umbenennung der Lüderitzstraße in Berlin Mitte (Wedding) vorgenommen werden. Tags darauf findet anlässlich der Eröffnung der Sonderausstellung „Deutscher Kolonialismus. Fragmente seiner Geschichte und Gegenwart“ vor dem Deutschen Historischen Museum Berlin um 18 Uhr eine gemeinsame Protestkundgebung statt.

Die Kritik der Kongressteilnehmenden bezieht sich auf die anhaltende Ausgrenzung von Nachfahren Kolonisierter in Fragen der afrikanisch-deutschen Geschichte. Denn nicht nur ist das Ausstellungskonzept des DHM ohne maßgebliche Beteiligung von afrikanischen bzw. Schwarzen Expert_innen erstellt worden. Das Museum hat es auch abgelehnt, die in Berlin anwesenden Herero- und Namarepräsentanten zu einem Grußwort einzuladen.

Vor allem aber richtet sich der Protest gegen die exklusiven deutsch-namibischen Regierungsverhandlungen. Diese Verhandlungen über die Aufarbeitung des Völkermords finden bereits seit 2014 unter Ausschluß der direkt betroffenen Herero und Nama statt. Diese fordern eine angemessene Entschädigung für das vom Deutschen Reich gestohlene und an deutsche Siedler vergebene Land. Der zum Genozidkongress in Berlin eingeladene Verhandlungsführer der Bundesregierung, Ruprecht Polenz (CDU), hat auch die Teilnahme an einer Podiumsdiskussion mit Herero- und Namadelegierten abgelehnt.

Vor Beginn des Kongresses wird es am 14.10. um 10 Uhr im Bundestag eine von MdB Niema Movassat (Die LINKE) organisierte Pressekonferenz mit den in Berlin anwesenden Delegierten der Herero und Nama geben. Nach Abschluss des Kongresses werden die Teilnehmenden am 16. Oktober ab 10:30 Uhr vom Kunsthaus KuLe, Auguststraße 10, einen Protest- und Solidaritätsmarsch zum Humboldt Forum durchführen. Das für ca. 600 Millionen Euro rekonstruierte Berliner Schloss war die Residenz Kaiser Wilhelms II, der zu den Haupt-verantwortlichen für die Vernichtungstrategie gegen die Herero und Nama zählt.

Kontakt: Israel Kaunatjike, Bündnis „Völkermord verjährt nicht!“, 01731035605 & Christian Kopp, Berlin Postkolonial, 01799 100 976, buero[at]berlin-postkolonial

Vollständiges Besuchsprogramm

Mehr: http://www.berlin-postkolonial.de & http://www.genocide-namibia.net

11.10.2016 | PM: Herero und Nama aus aller Welt kommen in Berlin zusammen